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Dr. Silke Mai
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Die Entstehung unseres Weltbildes
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Was wir heute über unsere Welt wissen und denken,
wurde in vielen Jahren mühseliger Arbeit zusammen getragen. Dabei
wurden uns die gewonnenen Erkenntnisse von den Menschen vermittelt,
die sie entdeckt haben. Wissenschaftler haben jedoch ihre eigenen Methoden,
um Neues zu erforschen.
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Um die Phänenome unseres Lebens zu erklären
und nach deren Ursachen zu
suchen, haben Wissenschaftler jahrzehntelang auf der ganzen
Welt mühselig und hartnäckig geforscht, selbst wenn nur ein
„Wunder“ die einzige Antwort gewesen zu sein schien. Die Hartnäckigkeit
der Forscher und ihre über Generationen hinweg geübte Selbstdisziplin
ist nur zu verstehen, weil sie sich konsequent dazu erzogen haben, jedem
„Wunder“ zu misstrauen, jede „übernatürliche“ Erklärung
abzulehnen. Nur so sind unsere wissenschaftlichen Fortschritte entstanden,
daher gehört zu jeder naturwissenschaftlichen Methode die Haltung,
so zu tun, als ob es nur Messbares gäbe und zu untersuchen, wie weit
man damit kommt. |
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| Diese Haltung
hat sich mit der Zeit zu einer allgemeinen Lebenseinstellung des modernen
Menschen verselbständigt, ohne dass wir uns über deren Wurzeln
noch Gedanken machen. Wir sollten uns jedoch vergegenwärtigen,
dass diese Einstellung eine bewusst gewählte Methode darstellte,
um Forschungsergebnisse zu erzielen und unser Wissen zu bereichern.
Daher will ich diese Haltung auch nicht verurteilen, denn für wissenschaftliche
Forschung ist sie unerlässlich. Wir sollten uns lediglich überlegen,
ob wir diese Grundhaltung auf unser ganzes Leben ausdehnen sollten. |
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| Die Welt, die uns von Wissenschaftlern präsentiert
wird, ist dadurch geprägt, dass wir der Auffassung sind, mit unserem
Menschenverstand alle Phänomene auf der Welt erklären zu können.
Wir glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann wir alle Geheimnisse
der Natur entschlüsselt haben. Mit der Entdeckung des genetischen
Codes sind wir diesem Ziel scheinbar wieder ein Stück näher
gekommen. |
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| Aber werden wir wirklich in der Lage sein, alle
Prozesse in unserer Welt zu verstehen? Hoimar v. Ditfurth, Professor
für Psychatrie und Neurologie, drückte es einmal folgendermaßen
aus: „Welche Naivität steckt im Grunde doch dahinter, wenn wir erwarten,
dass die ganze Welt, die wir um uns herum vorfinden, in all ihrer Fülle
und mit all ihren verborgenen Ursachen, in das Volumen ausgerechnet
unseres Gehirns hineinpassen müsse. Bei niemandem außer uns
selbst würden wir auf diesen abenteuerlichen Gedanken kommen. Bei
allen anderen Lebensformen, von denen wir wissen, leuchtet es uns ein,
dass das gänzlich ausgeschlossen ist.“ |
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| Für unsere weitere Betrachtung
ist es nicht wichtig, ob wir jemals alle Geheimnisse entdecken werden.
Wir sollten jedoch nicht an dem Gedanken festhalten, bereits heute alle
Zusammenhänge zu verstehen und nur das als real zuzulassen, was
wir mit unserem jetzigen Wissen begreifen und mit unseren Augen sehen
können. Dadurch schränken wir unser Leben und unsere Chancen
auf Glück und Erfolg unnötig ein, da wir nur die Instrumente
nutzen, von denen wir glauben, sie stünden uns zur Verfügung.
Es gibt aber noch einige mehr. Dabei verschafft uns die Wissenschaft kein
falsches Bild von der Welt, sie lässt nur einen Teil aus. Sie vermittelt
uns gewissermaßen ein Schwarz-Weiß-Bild, das die Szene richtig
wieder gibt, lässt dabei aber die Dimension der Farbe weg. |
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© Dr. Silke Mai, zuletzt geändert 09/2008 |