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Dr. Silke Mai
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Physik und Quantentheorie
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Um zu verstehen, wie unsere Welt funktioniert
und welche Naturgesetze wirken, ist es nützlich, einen Blick auf die
Physik zu werfen, die uns den Aufbau unseres Universums erklärt. |
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| Nach heutiger Auffassung besteht unsere Welt aus
Atomen. Sie sind der Baustein aller Materie auf unserer Erde. Dabei gibt
es verschiedene Arten von Atomen, die die Elemente darstellen. Diese Elemente
können sich mit anderen Elementen oder mit sich selbst zu Molekülen
verbinden. Moleküle wiederum bilden die Grundlage unserer chemischen
und biologischen Prozesse. |
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| Atome sind winzig klein und mit dem bloßen
Auge nicht zu erkennen. Alle 6 Milliarden Menschen, die zur Zeit auf
der Erde leben, würden, wenn ein Mensch so groß wie ein Atom
wäre, nur eine etwa 60 cm lange Kette bilden. |
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| Atome bestehen
aus einer Atomhülle und einem Atomkern. Der Kern ist positiv geladen,
die Atomhülle negativ, wobei das gesamte Atom neutral ist. Die Hülle
ist ungefähr 10.000 mal größer als der Kern. Wenn der
Atomkern die Größe einer Kirsche hätte, dann wäre
ein ganzes Atom so groß wie der Kölner Dom. Dabei ist im Kern
fast die gesamte Masse des Atoms lokalisiert. |
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| Die Atomhülle wird von sogenannten Elektronen
gebildet, die nach der Theorie von Nils Bohr den Kern wie Planeten die
Sonne umkreisen. So vermittelt dieses vereinfachte Modell die Vorstellung,
es handele sich bei den Elektronen um kleine Teilchen. Diese Teilchen
müssten also durch Energiezufuhr aus ihrer „Umlaufbahn“ um den Kern
herausgeschossen werden können. Das ist auch tatsächlich experimentell
möglich. Zum Beispiel kann energiereiches Licht Elektronen freisetzen,
was als Photoeffekt bezeichnet wird. |
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| Nun glaubte man früher, dass sich beim Photoeffekt
die Energie des Lichts direkt auf das Elektron übertragen und somit
die Geschwindigkeit eines herausfliegenden Elektrons bei einer Erhöhung
der Energie des Lichts zunehmen müsse. Es stellte sich jedoch heraus,
dass sich dabei lediglich die Anzahl der Elektronen, die aus den Atomen
gelöst wurden, erhöhte, nicht deren Geschwindigkeit. |
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| Dieses Phänomen läßt sich erst
mit der Quantentheorie erklären. |
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| Einstein entwickelte 1905 die Theorie, dass die
Energie des von einer Lichtquelle ausgestrahlten Lichts keine einfache
Welle ist, die sich im Raum verteilt, sondern dass sie in kleinen Portionen
von der Lichtwelle mitgeführt wird. Er formulierte seine Lichtquantentheorie,
nach der das Licht einen Strom von Teilchen, den sogenannten Lichtquanten
oder Photonen, bildet. |
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| Wenn das Licht nun aus Photonen besteht, dann
wird das Photon bei einem Zusammenstoß mit einem Elektron dieses
durch Impulsübertragung aus dem Atom schleudern. Wird die Energie
des Lichts erhöht, erhöht sich somit die Anzahl der Photonen,
die nun mehr Elektronen als vorher treffen. |
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| Sie werden sich wundern, dass Licht aus Teilchen
bestehen soll, obwohl wir es uns allgemein als eine Welle vorstellen,
die sich im Raum ausbreitet. Viele Experimente lassen aber tatsächlich
darauf schließen, dass Licht aus Teilchen, also Photonen, besteht.
Es kam jedoch noch etwas anderes Erstaunliches zutage: Je nach Art des
Experiments verhält sich ein Photon entweder wie eine Welle oder
wie ein Teilchen. |
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| In der Tat ist dieses Verhalten äußerst
widersprüchlich, obwohl es von jedem Physiker akzeptiert und gelehrt
wird. Und besser noch: Es hat sich gezeigt, dass dieses seltsame Verhalten
nicht nur auf Photonen beschränkt ist. Auch alle anderen kleinsten
Teilchen, aus denen unsere Materie besteht, zeigen genau das gleiche
Verhalten. So erscheinen uns auch die eben erwähnten Elektronen mal
als Teilchen, mal als Welle. |
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| Dies wird als Welle-Teilchen-Dualismus
bezeichnet. |
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| Ein Teilchen ist etwas Lokales,
das eine Position besitzt, eine Welle ist dagegen etwas Räumliches,
dem man eine Frequenz zuordnet. Um dieses Phänomen zu beschreiben,
ist die Quantentheorie entwickelt worden. |
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| Nach der Idee von Niels Bohr bilden Welle und
Teilchen komplementäre, d.h. gegensätzliche Bilder, die beide
notwendig sind für eine vollständige Beschreibung der Materie,
wobei in einem bestimmten Augenblick immer nur eins der beiden realisiert
sein kann. Unsere Betrachtung ist nur dazu fähig, einen Zustand zur
Zeit zu erkennen, aber niemals beide gemeinsam. Was wir wahrnehmen, hängt
immer von der Art der Betrachtung ab und worauf wir unsere Aufmerksamkeit
lenken. Unsere gesamte Materie besteht also sowohl aus Wellen als auch
aus Teilchen. Sie ist also einerseits lokalisiert, gleichzeitig aber auch
räumlich verteilt. |
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| Wir betrachten im allgemeinen unsere Welt als
definierte Teilchen. Wir sehen die lokalisierten Gegenstände und
bezeichnen sie mit unserer Sprache als „Dinge“. Das ist jedoch nur die
eine Seite der Medaille. Ebenso besteht unsere Welt aber auch aus Wellen.
Wellen sind über den Raum ausgedehnt, überlagern sich, beeinflussen
sich gegenseitig und bilden Muster im Raum. Das ist eine Betrachtungsweise,
die für uns sehr ungewohnt ist. Unsere Sinnesorgane scheinen eher die
Materie als Teilchen wahrzunehmen, als als Welle. Manchmal spüren wir
jedoch das Vorhandensein von Wellen. Wenn jemand hinter uns tritt, den wir
nicht gesehen haben, spüren wir es vielleicht manchmal, dass dort jemand
ist. Oder wenn wir plötzlich das Gefühl haben, es sei etwas Schreckliches
passiert, was sich später bestätigt, haben wir ebenfalls diese
Wellen wahrgenommen. Wir scheinen daher Wellen eher zu fühlen, statt
sie zu sehen. Das wird im Allgemeinen als Intuition bezeichnet. |
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© Dr. Silke Mai, zuletzt geändert 09/2008 |